Renovierung unserer Unterwasser-Plattform

Die letzten 6 Wochen waren wir damit beschäftigt, die Übungsplattform im Jordansee zu reparieren.

Denn zuletzt war die von Hans und anderen Mitgliedern vor einigen Jahren erbaute Unterwasserplattform im Jordansee defekt: Zwei der vier Ketten, die die Plattform in Position hielten waren durchgerostet und gerissen, die anderen beiden waren teilweise auf unter einen Millimeter Stärke korrodiert.

Die Plattform ist etwa 50m vom Ufer entfernt und dient vor allem als Hilfe beim Ausbilden von neuen Tauchschülern. Dort kann man mal ein zusätzliches Blei ablegen, erste Rettungsübungen vom Grund machen (z.B. das Prozedere zeigen, ohne dass dabei die Sicht schlecht wird) oder auch können Taucher in Spee sich erst mal grundsätzlich abstützen ohne dass die Natur Schaden nimmt.

Plattform auf Google Maps

-- Auf Google Maps sieht man sowohl die Markierungsboje, als auch - wenn man genau hinschaut - die 4 Fässer, welche die Plattform in Position halten.

In sofern ist so eine Plattform eine super Sache: Selbst ohne Ausbildung kann man dort immer mal wieder etwas Spaß haben und z.B. Brettspiele darauf spielen oder auch das Tarrieren generell üben.

Da aber nun die Ketten gerissen waren und - ermöglicht durch die leichten Lockerung der offiziellen Corona Maßnahmen - nun bald unter strengen Auflagen die ersten Ausbildungen wieder stattfinden sollten, war es an der Zeit aktiv zu werden. Die Plattform muss also repariert werden.

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-- Tibor und Oliver nach dem ersten Tauchgang mit gehobener Plattform im Hintergrund

"Was ist an so einer Reparatur schon dran?" fragten wir uns, das ist sicher in 2 Tauchgängen erledigt... so dachten wir. Weit gefehlt, letztendlich sollten einige Tage und Tauchstunden ins Land (bzw. ins Wasser) gehen. Aber erst mal der Reihe nach:

Die Plattform ist auf 12,5m Tiefe mit Ketten auf dem Grund verankert. Dabei wurde sie von 4 Grundgewichte zwischen 60kg und 90kg am Boden gehalten. Die Plattform selbst hat etwa 2,5m x 3,5m und ist in einer Tiefe von 7m angebracht. Nach oben halten sie 4 Fässer a 120l, die allerdings im oberen drittel angebohrt wurden um den Auftrieb zu begrenzen.

Fast durchgerostete Kette-- Rost hat die alte Kette an Substanz verlieren lassen...

20200619 173505 -- Die neuen Edelstahlketten haben wir vorher eingemessen und abgeschnitten

Wir haben beschlossen, dass wir die Ketten durch neue Edelstahlketten ersetzen wollen. Schnell waren in der Verwaltung rund 250€ beantragt und eine V4A Kette (bis 1200kg) und entsprechende Gewindestangen, Muttern, Unterlegscheiben und Schäkel bestellt (fast alles V4A, wenige Teile V2A).

Nun stellte sich die Frage, in wie weit wir weitere Vereinsmitglieder - vielleicht auch im Rahmen der zu leistenden Arbeitsstunden - einbinden können. Leider mussten wir diese Frage negativ beantworten. Zwar wäre das ein sehr schöner sozialer Event gewesen, aber im wesentlichen aus zwei Gründen nicht machbar:

  1. War eine Vereinstätigkeit unter Einhaltung der Corona-Regeln zum Zeitpunkt sehr schwierig. Insbesondere wenn mit mehreren Leuten gleichzeitig angepackt werden musste. Gerade zu Beginn der Arbeiten waren die Regeln im Umgang mit Corona sehr streng und wir haben wenig Möglichkeiten gesehen dies mit mehreren Mitgliedern durchzuführen.

  2. Haben die Arbeiten zu 90% unter Wasser stattgefunden. Bereits zu zweit was es mitunter sehr schwer zusammen zu arbeiten: Gerade im Bereich der Bodenverankerung haben wir die meiste Zeit zugebracht. Dort war die Sicht bereits zu Beginn der Tauchgänge geringer als 30cm und nach 2-3 Handgriffen auf ca. 5 cm gesunken. Die meisten Arbeiten haben wir blind verrichtet und haben uns nur an den Leinen orientiert. Diese haben wir nach gängigen Höhlentauch-Standards angebracht, die sicher beherscht werden mussten. Auch waren die Arbeiten mit dem Hebesack sehr gefährlich, mehr dazu später.

Im ersten Tauchgang haben wir die verbleibenden 2 Ketten gelöst und die Plattform an Land transportiert. Wir haben sie neben dem Tauchereinstieg am Grund fixiert. Die Schäkel waren zwar gerostet, ließen sich aber mit einer Zange noch problemlos lösen, so dass dies der einfachste Teil war.

In den nächsten beiden Tauchgängen haben wir dann beschlossen die Grundgewichte zu bergen und zu erneuern. Hier waren jeweils 6 (in einem Fall nur 4) normale Gehwegplatten mit einem Loch versehen und auf eine Gewindestange aufgefädelt. Mit einem geliehenen Hebesack haben wir die Platten aus dem Grund gerissen und dann an der Oberfläche an Land transportiert.

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-- Die ehemalige Befestigung der Plattform am Seegrund. Auch hier hat der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen.

In der Theorie klang das sehr einfach. In der Praxis haben sich die Gewichte mit den Jahren so weit in den Grund eingesogen, dass der Hebesack knapp an der Kapazitätsgrenze von 250l war: Voll aufgeblasen musste man mitunter noch etwas an den Leinen ruckeln. Sodann schossen die knapp 90kg mit Wucht und in einer schwarzen Staubwolke nach oben. In einen Fall sogar so schnell, dass der Sack an der Oberfläche kollabierte und die Steine fast genauso schnell wieder nach unten an uns vorbei zischten. Da der Hebesack bereits einige Jahre alt war, ist er beim darauf folgenden Versuch an der Oberfläche gerissen: Die Gehwegplatten flogen uns nur so um die Kopfhauben... Vielleicht wird jetzt klar, warum ich ganz froh war, dass die Anzahl der Helfer sehr begrenzt war. Das Heben erfolgte unter großen Vorsichtsmaßnahmen, mit maximalem Abstand zum Hebesack und unter genauer Beobachtung der erfolgten Bewegungen.

20200517 150032 -- Tibor schneidet die Gewindestangen zu
20200517 150821 -- Die neuen Grundgewichte sind bereit wieder versenkt zu werden.

Durch das "Abstürzen" der Platten ergab sich ein weiteres Problem: Die Steine mussten nicht nur geborgen, sondern auch gefunden werden. Wir hatten generell ein Reel vom Ufer zum Standpunkt der Plattform gelegt. Dann hatten wir mit Eisenstangen die Umrisse der Plattform auf Grund abgesteckt. Leider hatte ein Block beim Bergen sich etwas in den Leinen verfangen und die gesamte Leinenführung mit nach oben genommen. Es half nichts: Spool im Boden verankert und Suchmuster bei 5cm Sicht starten (eigentlich hätte man auch die Augen zu machen können). Der unter der Plattform liegende Plastikstuhl und der alte Weihnachtsbaum waren bei der Leinenführung übrigens auch nicht gerade behilflich, so dass wir diese im nächsten Tauchgang entsorgten.

Die ausgerissenen Leinen erneuerten wir einen Tauchgang später wieder mit etwas stabiler im Grund eingestoßenen Dachlatten und unter Zuhilfenahme eines extra dafür angeschafften Maßbands. Letztlich wollten wir ja dass die Steine in exakt dem gleichen Abstand liegen wie die Abmessungen der Plattform, so dass die Ketten nicht schräg verlaufen.

Netterweiße bekamen wir für den Hebesack, der übrigens an altersbedingter Materialermüdung starb, Ersatz. Vielen Dank an dieser Stelle an Thomas für das organisieren und vor allem an Triton für die Spende!

Leider war im neuen Sack das Entlüftungsventil noch nicht eingebaut. Für dieses muss man ein Loch in die Plane stanzen: Etwas das wir nicht eigenständig an geliehenem Material durchführen wollten erst und später im Triton von Profis gemacht wurde. Somit ließ sich der Sack nur entlüften, indem man darüber taucht, eine eingeschraubte Kappe entfernt und, ohne sie zu verlieren, wieder aufschraubt wenn genug Luft entwichen ist. Wie man sich vorstellen kann ist das tarrieren auf diese Weise nicht unbedingt einfach...

IMG 20200531 WA0011-- Neuer und alter Hebesack

Es war ein Sonntag später, als die ursprünglichen Grundgewichte wieder mit neuen Gewindestangen und einer komfortablen Ringmutter an Ort und Stelle lagen. Somit wendeten wir uns der eigentlichen Plattform zu. Dazu war geplant, ein altes Kletterseil gleichmäßig an allen Enden der Plattform anzubringen und die Plattform am Hebesack schweben zu lassen. Mittels eines Halbmastwurfs aus dem Bergsport wollten wir die Plattform dann bei Bedarf ablassen. Auch hier: Soweit die Theorie.

In der Praxis entlüftete ich alle Fässer, im Glauben die Platform hängt nun stabil am Seil. Nachdem ich eines der Fässer bereits zu Tibor ans Ufer gepaddelt hatte und das gegenüber liegende Fass entlüftete, erwartete mich ein neue Überraschung: Wir wussten nicht, das damals beim Versenken, die Plattform an der Unterseite mit Styrodurplatten für einen höheren Auftrieb versehen wurde. Diese waren einst mit Kabelbindern, inzwischen längst porös, auf der Unterseite befestigt. Durch die Variation in der Tarrierung taten diese das, was sie sollen: Auftreiben. Leider aber völlig unkontrolliert und von mir völlig unerwartet. So war ich mächtig erstaunt, als sich die, eben noch so ruhig gelegene Plattform, plötzlich senkrecht stellte. Mehrere Platten, deren Existenz ich mir in dem Moment nicht erklären konnte, trieben nach oben. Und dann, ohne diese Platten, drehte sich die Plattform weiter um dann Kopfüber in meiner Richtung zu kippen...
Es dauerte ein paar Flüche in den Atemregler und ein AMV jenseits der 100 l/min um die Plattform mit Muskelkraft und etwas Fassauftrieb wieder dazu zu übereden richtig herum zu liegen.

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-- Equipment zum Heben und Versenken der Plattform

Nun war die nächste Frage wie wir mit den Stypoporplatten umgehen: Zum einen widerstrebte es Tibor und mir Styporpor in einen Natursee einzubringen. Zum anderen sorgen die Platten, wie bereits hautnah erfahren, für einen etwas unkalkulierbaren Auftrieb wenn die Plattform nicht fest verankert ist. Ein Anbringen ist unter Wasser unmöglich, die Plattorm muss dafür aus dem See. Ohne Kran bei geschätzten 200kg Gewicht kaum machbar. Deshalb haben wir beschlossen erst einmal zu versuchen ohne das Styrodur auszukommen.

Dadurch ergibt ich aber ein neues Problem: Da die bisherigen 120l Fässer im oberen drittel angebohrt sind, sorgen sie für maximal 4x40l Auftrieb. Das ist zu wenig um die Plattform alleine zu heben. Ergo haben Tibor und ich beschlossen, auch die - inzwischen mit neuen Edelstahlstangen versehenen - alten Fässer auch noch mal zu tauschen. Im Internet hat Tibor bei Bruchsal 4 gebrauchte Fässer a 120l für zusammen 50€ aufgetrieben. Diese waren mit Hänger nach Feierabend geholt und abermals ein Wochenende später haben wir sie gegen die alten Fässer getauscht.

105566400 3837230413013848 9034290579675402255 n-- Tibor verhandelt knallhart... :-)

Dadurch war aber das Grundgewicht mit zusammen 330 kg etwas dürftig dimensioniert. Zwar sinken die Platten im Seegrund ein und verankern sich so mit der Zeit besser, wie wir beim Heben feststellen durften. Doch darauf verlassen wollten wir uns natürlich nicht. Ergo haben wir mit ein paar Sack Beton noch mal 120kg zusätzliches Grundgewicht gegossen und den Bodengewichten hinzugefügt. Auch haben wir den Stoß mit den 4 Gehwegplatten um einen weiteren, angebohrten Tiefbordstein erweitert. Dies war übrigens auch mit etwas Schweiß verbunden, denn was sich an Land so leicht anhört (3 Muttern lösen, Stein mittig darauf platzieren und alles wieder verschrauben) ist bei absoluter Dunkelheit, null Sicht und mit dicken Handschuhen, frei schwebend tarriert schon eine andere Nummer. Insbesondere auch, da jede Mutter die aus der Hand fällt hoffnungslos im Morast verloren ist. Aber nach ca. 60 Minuten Grundzeit war auch dieser Stein fixiert.
Somit hatten wir nach Abschluss der Aktion ein gesamtes Grundgewicht von rund 500 kg.

profil-- So sieht ein Tauchprofil aus, wenn man insgesamt eine halbe Tonne Beton Stück für Stück versenkt. Nachmachen explizit nicht empfohlen.

Die alten, angebohrten Fässer liesen sich unter vollem Körpereinsatz (daran hängen und dann mit Wucht und Hartgummiflossen nach unten paddeln) gerade so drehen und damit entlüften. Bei gut 100l Auftrieb geht das nicht mehr. Kurzerhand haben wir uns eine Entlüftungshilfe gebastelt: Ein U-förmiges Holzgestänge mit einem Stück Gartenschlauch daran fixiert. Will man das Fass nun entlüften muss man wie folgt vorgehen:
Das Gestänge in die Horizontale bringen, so dass beide Schlauchenden auf der gleichen Tiefe sind. Tief Luft holen, Regler ausspucken, in den Schlauch blasen bis kein Wasser mehr darin ist. Dann apnoe beide Schlauchenden zu halten und das tiefere Ende in das Fass einführen. Hat man es geschafft in den luftgefüllten Raum mit dem Schlauch vorzudringen, heißt es nur noch den eigenen Atemregler wieder zu finden und der Luft beim ausströmen aus der höher gelegenen Öffnung zuzuschauen. Wenn nichts ausströmt... wiederholen.

Auf diese Weise haben wir die Plattform nun zum finalen Tauchgang vorbereitet. Am letzten Wochenende haben wir die Plattform wieder an Ort und Stelle gebracht. Die Methode mit dem Ablassen der Plattform am Hebesack mittels Halbmastwurf hat einwandfrei funktioniert, so das wir die Plattform an allen vier Ecken mit den Grundgewichten verschrauben konnten.

Unbenannt

-- Tibor und ich nach vollbrachter Tat

Insgesamt haben wir in 7 Tauchgängen gut 15h unter Wasser mit der Reparatur der Plattform verbracht. Nun bleibt nur noch ein finaler Tauchgang für kommendes Wochenende: Die Verschraubungen müssen noch einmal alle kontrolliert und festgezogen werden, die Verankerungen der Grundgewichte nachjustiert und die Oberfläche der Plattform noch einmal final gereinigt werden.

Danach kann die Ausbildung auf der Plattform wieder beginnen!

 

Technisches Tauchtraining am 28.4

Am 28. April fand im Rahmen des Ressort Technisches Tauchen ein Trainingstauchgang statt. Wir haben viel geplant, getaucht und gelernt.


Gut 2 Stunden berieten wir (Sebastian, Rolf und Oli) die Einzelheiten des Tauchgangs. Dies inkludierte eine Checklisten gestützte Planung von Zielen, Aufgaben, Equipment, Gase und (simulierte) Dekompression sowie weitere Faktoren, wie zum Beispiel "Was wäre wenn"- Analysen.

Rolf und Sebastian am Whiteboard


Danach ging es zum Sämann See.


Wir hatten Glück und die Sicht war ab ca. 12m Tiefe recht gut. Deshalb genossen wir noch kurz eine kleine Sightseeing Runde am gesprengten Bunker auf 18m, bevor es zur Sache ging.

Und schon zeigten sich die ersten Herausforderungen: Die verbesserungswürdige Kommunikation sorgte dafür dass wir uns gleich einmal verloren.
Im zweiten Anlauf lief die erste Navigationsübung dann aber doch ganz gut. Wir machten einen einfachen Dreieckskurs, der aber durch die Topologie des Seegrunds durchaus seine Herausfordergungen bot.
Im Anschluss übten wir noch die Freiwasser-Deko, die leidlich gut klappte.

Insgesamt war es ein schöner Trainingstauchgang bei dem wir alle drei wieder jede Menge über uns und unser Equipment lernten.

Tauchtraining im September '17

Dazu eingeladen haben wir alle aktiven Vereinsmitglieder. Die einzige Teilnahmebedingung war ein Tauchbefähigung nach mindestens CMAS * oder äquivalent.

Ziel war es einen Übungstauchgang so zu gestalten das wir an die Grenzen unsere Fähigkeiten kommen und so Verbesserungspotentiale entdecken, ohne dass wir uns dabei unwohl fühlen.

Zunächst hatten wir 5 Anmeldungen, wobei allerdings 3 wieder abgesagt wurden (eine Absage kam leider erst 15 Minuten nach dem Treffen am Vereinsheim). Es blieben also neben mir als Organisator und Tibor S. als Kameramann noch Oliver Z. und Ralf B. als Teilnehmer. Eine kleine, aber feine Runde also. Hierdurch war es uns möglich, sehr gezielt auf die einzelnen, kleineren Problemchen beim Training einzugehen und gezielt zu optimieren.

Wir trafen uns also um 09 Uhr am Vereinsheim. Nach dem üblichen Tratsch bei einem oder zwei Kaffee ging es dann zur Sache: Der Tauchgang musste geplant werden. Da Oliver Z. sowieso immer mit Tibor und mir trainiert, haben wir unsere Übungen auf Ralf angepasst. Ralf brachte allerdings schon einiges an Taucherfahrung mit und besaß entsprechendes Equipment, mit dem man gerne mal ruhigen Gewissens auf Tiefe gehen kann. So entschlossen wir uns für einen eher "mittleren" Schwierigkeitsgrad bei den Übungen.

Da die Sicht in den letzten Tagen in fast allen Seen schlecht bis sehr schlecht war, entschieden wir uns, den Eintritt im Badeparadies Plittersdorf ("Nächste Woche: Oktoberfest mit Fassantisch und Frühshoppen" [sic]) zu zahlen und die dortigen 3-4m Sichtweite zu genießen. Erfahrungsgemäß lassen sich bei Sichtweiten unter 1m nämlich nur Navigationsübungen gut machen und dafür braucht es dann keine Videoanalyse.

Nach ca. 1½ Stunden planen, besprechen und verfeinern am Whiteboard war es dann soweit: Der Plan stand.

Am See hat dann leider Tibor beim Abtauchen festgestellt, dass sein Trockentauchanzug ein Loch hat. Provisorisch mit Klebeband geflickt hat er immerhin den ersten Tauchgang tapfer gefilmt.

Die Übungen grob zusammengefasst:

Vorsichtiges Ablegen ohne Tarierung zu verlieren und ohne Grundberührung mit den Flossen

Oliver Z. führte uns nach allen obligatorischen Checks und Pre-Dive Sequenzen auf 10m Tiefe. Dort haben wir horizontal 15m Leine verlegt und verschiedene Flossenschläge geübt. Insbesondere der modified Frog- und Flutter-Kick (sinnvoll in sedimenthaltigem Gewässer mit räumlicher Einschränkung durch z.B. Wrack- oder Höhlenwände, dichten Bewuchs oder einfach nur zu vielen Tauchpartnern um einen herum), sowie der Back Kick, also dem rückwärts Tauchen ohne dazu die Hände zu benutzen.

Dabei gelernt: Back Kick ist immer noch schwierig, mit Split-Fins ist fast unmöglich.

In Folge hat einmal Ralf, einmal Oli Z. dann das Grundgewicht von 3kg gesetzt. Die Herausforderung bestand darin den Gewichtsverlust durch sauberes tarrieren auszugleichen und beim Ablegen so sanft vorzugehen dass kein Sediment später die Sicht verschlechtert. Sodann wurde Boje gesetzt, am Gewicht befestigt und mit exakt 3m/min bis auf 9m aufgestiegen.

Dabei gelernt: Derjenige der die Boje setzt sollte stets wissen, ob Seillänge und Tiefe miteinander in Einklang stehen. Sonst kommt schnell der Fahrstuhl nach oben. :-)

Dort wurde ein Notizbuch als optische Referenz in die Leine eingeknotet, was das Tarrieren etwas erleichtert. Es begannen dann die Valve-Drills, also das selbstständige öffnen und schließen aller eigenen Ventile. Natürlich mit gleichzeitigem Notsignal und ohne Verlust der Tarrierung. Das nachfolgende Video ist etwas wackelig und schlecht ausgeleuchtet, aber es vermittelt einen ganz guten Eindruck der Übungen.

https://youtu.be/VwpTIc0Qezk 

Dabei gelernt: Auch nach dem x-ten mal passiert es dem ein- oder anderen (...nein, eigentlich immer nur dem einen :-P) beim Ventile drehen die horizontale Wasserlage zu verlassen und fast senkrecht stehend die Übung zu machen.

Als zweite Übung haben wir uns dann das klassische Out-of-Gas (auch S-Drill genannt) Szenario ausgesucht. Gerne auch mal mit abblasendem Atemregler.

Out of Gas: Ein abblasender Atemregler erschwert Sicht und Handling

Lessons learned: Nicht immer ist der Atemspender mit der notwendigen Eile unterwegs! Hoffen wir dass es im Ernstfall etwas schneller klappt. Außerdem verliert sich im Eifer des Gefechts schnell mal die Tiefe...

Letztlich galt es die Boje wieder zu verräumen und im Freiwasser mit Kompass zurück zum Einstieg zu navigieren.

Als zweiten Tauchgang haben wir dann noch einen entspannten Spaßtauchgang im Plittersdorfer See gemacht: Es ging hinunter zur LKW Kabine auf rund 20m, die wir nach einem kleinen Bogen dann auch gefunden hatten. Dann weiter zum SO Ufer um letztlich über die Plattform wieder zum Einstieg zu tauchen. Rolf durfte bei diesem Tauchgang zum ersten mal mit einer Stage tauchen und war erstaunt darüber, dass sich die zusätzliche Flasche unter Wasser fast nicht bemerkt macht. Zumindest wenn sie richtig gefüllt und befestigt ist. 

Nachdem wir die Tauchgänge beendet hatten, erfolgte die Nachbesprechung. Insbesondere in den Video Sequenzen im Vereinsheim fielen einige Dinge auf, die wir so im Wasser gar nicht gesehen hatten. Gerade einzelne Ausrüstungsgegenstände die herunter baumeln oder aber auch die ein- oder andere Wasserlage die eher schlecht als recht war.

Nach dem anstrengenden Tag ging es dann wieder glücklich und einige Erfahrungen reicher nach Hause.

Dieser Artikel wurde auch auf dem Blog Tief-Dunkel-Kalt veröffentlicht: http://www.tief-dunkel-kalt.org/index.php/blog/52-uebungstauchgang-sep-17

 

Über das Technische Tauchen

 Über das Technische Tauchen (Tec-/Tech-/Tek-Tauchen) hört man immer wieder die verschiedensten Meinungungen: "Nur für Verrückte", "Der beste Weg in die Privatinsolvenz", "Alles lebensmüde Freaks" oder "Mir wäre das alles viel zu aufwändig". Das erstaunt mich immer etwas, da der Begriff des "Technischen Tauchens" nicht eindeutig zu definieren ist.

Die aktuelle Definition im Wikipedia Artikel "Technisches Tauchen" (Stand Mai 2017) gefällt mir allerdings sehr gut: "Unter technischem Tauchen [..] werden verschiedene Formen des fortgeschrittenen Sporttauchens zusammengefasst, bei denen zusätzliche oder spezielle Tauchausrüstung eingesetzt wird. Die Übergänge vom nicht-technischen zum technischen Tauchen sind fließend und hängen unter anderem von der festlegenden Tauchorganisation ab."

Da der VDST eine Tauchorganisation ist, gibt es dementsprechend auch eine eigene Definition entsprechend des Ressort Mischgastauchen: "„Technisches Tauchen“ steht im VDST für Formen des Sporttauchens, bei denen Mischgase eingesetzt werden, um sicher größere Tauchtiefen und/oder eine optimierte Dekompression zu erreichen. Der Begriff Technisches Tauchen stammt ursprünglich vom Einsatz „Technischer Gase“ (z.B. Helium oder Sauerstoff)."
 

Versuch einer eigenen Definition?

Allerdings glaube fällt es nicht nur mir es schwer, hier eine klare Trennung zwischen "Fun Tauchen", "Recreational Diving", "Urlaubstauchen", "Sporttauchen", "Technischem Tauchen" und was uns noch so alles einfallen mag, zu finden.

Oft hört man Aussagen wie "Technisches Tauchen fängt beim Overhead Environment" an. Also sobald man nicht mit einem einfachen Notaufstieg wieder an die Oberfläche kommen kann. Dies ist natürlich in Höhlen der Fall, aber auch bei dekompressionspflichtigen Tauchgängen. Ist das also der entscheidende Unterschied? Allerdings ist ein Notaufstieg aus 40m zum Ende der Grundzeit (bei welchem Dekompressions-/Nullzeit-Algorithmus auch immer) ein sehr riskantes Unterfangen und sollte sicher auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Zumal die Nullzeit oft durch eine proprietäre Implementierung der Hersteller von Tauchcomputern vorgegeben und damit zumindest mit Vorsicht bedacht werden sollte.

Tatsächlich glaube ich nicht, dass wir hier auf eine Universalformel kommen. Allerdings bin ich der Meinung, dass dies auch gar nicht notwendig ist. Eine klare Schubladen-Trennung lässt sich sicher in der Theorie definieren: Da gibt es zum einen den Urlaubstaucher, der ohne einen professionellen Guide nicht ins Wasser geht und der dafür bezahlt dass er wieder sicher aus dem Wasser kommt. Darauf folgt der Sporttaucher, der bestehende Muster wie den Nullzeitalgorithmus und die CE zertifizierte Ausrüstung nutzt und eigenverantwortlich Tauchgänge durchführt. Und letztlich den Tec-Taucher, der bestehende Muster hinterfragt und bestrebt ist, sein Tauchverhalten wie auch -konfiguration auf maximale Effizienz bezüglich des Vorhabens zu optimierien.

Na, zu welcher Klasse gehörst Du? Ich nehme an, dass kaum jemand, der ernsthaft an dem Hobby Tauchsport interessiert ist, sich in exakt einer dieser Kategorien wieder findet.

Warum also eine spezielle Sparte "Technisches Tauchen" im Tauchsportverein Malsch? Und für wen?

Zweiteres lässt sich leichter beantworten: Für jeden, der daran interessiert ist sich unter Wasser mit einem Optimum an Sicherheit und Effizienz zu bewegen. Das betrifft nicht nur Tauchgänge jenseits der 40m (sinnvollerweise heutzutage meist 30m), wie in der klassischen Tauchausbildung gelehrt, sondern kann auch schon auf 3m Tiefe relevant sein. 

Die Techniken, die ursprünglich für das Höhlentauchen in Florida entwickelt wurden bieten auch im badischen Baggersee große Vorteile für jeden Taucher. Und damit ist auch schon die erste Frage beantwortet: Ziel ist es nicht, Verrückte in möglichst großen Tiefen zu versenken. Ziel ist es, durch ein umfangreiches Training und eine bis ins Detail optimierte Ausrüstung jedem dabei zu helfen so sicher und effizient wie möglich den Tauchgang seiner Wahl gestalten zu können. Dies ist das Anliegen im Ressort "Technisches Tauchen" im Tauchsportverein Malsch.

Technisch kann man auch im Schwimmbad

 Was also ist der Nachteil und warum steigt dann nicht jeder Taucher gleich in die "Tech-" Schiene ein?

Der große Nachteil liegt im Aufwand der dafür zu betreiben ist. Je komplexer der Tauchgang, desto besser müssen die Fähigkeiten der Taucher und der Ausrüstung auf diesen angepasst sein. Diese Fähigkeiten (körperlicher wie mentaler Natur) müssen aufwändig erlernt und trainiert werden. 

Ein guter Einstiegskurs in das Technische Tauchen (welches Brevet auch immer), dauert sehr lange und ist deshalb heutzutage oft in mehrere Kurse aufgeteilt. Mein erster Kurs z.B. dauerte 7 komplette Tage von morgens um neun Uhr bis teilweise nach Mitternacht. Außerdem war er auf zwei Monate gesplittet, so dass wir während des Kurses noch gut 1/2 Duzend Übungstauchgänge ohne den Tauchlehrer dazwischen machen konnten. Und danach ist es nicht so, dass man es "kann". Allerdings lernt man zu erkennen was man nicht kann um dann in Folge daran zu arbeiten. Dieser kontinuierliche Verbesserungsprozess ist meines Erachtens das Schlüsselkonzept für ambitionierte Taucher. 

Das ist natürlich ein schmaler Grat: Es liegt mir völlig fern Taucher zu verurteilen die sich dieser Komplexität nicht unterwerfen. Für alle Taucher gilt letztendlich: Alle Tauchgänge müssen innerhalb der eigenen Fähigkeiten und innerhalb der Komfortzone liegen. Das Technische Tauchen ermöglicht es einem lediglich die eigenen Fähigkeiten besser zu kennen und die Komfortzone erstaunlich auszuweiten. 

Natürlich sind solche Trainings mit auch Kosten verbunden. Nicht nur finanzieller Art, sondern auch persönlich. Es ist sehr frustrierend, wenn die Übungen auch beim x-ten Mal nicht so klappen wie sie sollen oder bereits antrainierte Fertigkeiten wieder nachlassen. Diese Tatsache schreckt wohl die meisten von einem "technischen" Training ab und hat auch mich öfters daran zweifeln lassen ob der eingeschlagene Weg der Richtige ist.

Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt an dem man routiniert und ruhig auch kritische Situationen unter Wasser löst, bzw. vorher erkennt und gar nicht erst entstehen lässt. 

Bleibt noch die Frage der Anschaffungskosten: Auch hier sei gesagt dass eine am technischen Tauchen orientierte Ausrüstung für die gleichen Tauchgänge nicht mehr kostet. Im Gegenteil, das Motto lautet in der Regel so wenig Ausrüstung wie möglich, so viel wie notwendig. Auch sind beispielsweise Regler und Auftriebshilfen in der Regel preisgünstiger da auf jeglichen Schnick-Schnack konsequent verzichtet wird. Natürlich bezieht sich die Ausrüstung beim Technischen Tauchen immer auf das angestrebte Vorhaben und man kann den Materialaufwand für einen 100m Tauchgang nicht mit einem Nullzeittauchgang vergleichen. Höchstens vielleicht in dem man das eigene Überleben mit auf die Rechnung setzt... 

Als Fazit möchte ich zusammenfassen, dass sich eine Ausbildung im Technischen Tauchen für jeden ambitionierten Taucher lohnt, egal ob man nun auf 100m oder auch nur auf 10m tauchen will. Dabei muss es nicht gleich der Kurs und die Ausrüstung für viel Geld sein. In regelmäßigen Abständen Übungstauchgänge innerhalb der eigenen Grenzen sind hier Gold wert. 

Bei Interesse oder weiteren Fragen, bitte zögert nicht auf mich zu zukommen!

Euer Oliver  

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