
Dreikönigtauchen im Jordansee - Artikel in der BNN Ausgabe Ettlingen am 10. Januar (Elke Kaiser und Thomas Holfelder)
Am Grund finden TSV Malsch und Muggensturm Plastik statt Fische
Eisiger Einsatz am Jordansee bei Malsch: Traditionelles Dreikönigstauchen des TSV Malsch und der Koralle Muggensturm: Dreikönigstaucher haben am 6. Januar am Jordansee die neue Saison eröffnet.
Eigentlich sollte das Treffen in Stollhofen stattfinden, doch der dortige See war zugefroren. Der Organisator verlegte das Tauchen kurzerhand nach Neumalsch. Seit fast zwei Jahrzehnten organisiert Wolfgang Hirth diese gemeinsame Aktion, die jedes Jahr viele aktive Taucher anzieht. Trotz eisiger Temperaturen sind die Taucher aus Muggensturm und Malsch ins Wasser gegangen, auch um die Entwicklung der Flora und Fauna unter Wasser bei diesen Temperaturen zu betrachten. Insgesamt kamen 32 Teilnehmer, davon 22 Taucher. Die übrigen Helfer überwachten die Situation, bereiteten heiße Getränke und
Essen vor und richteten eine Aufwärmstelle an der Feuerschale ein. „Bei minus vier Grad war die Wärmequelle für alle Gold wert“, sagt TSV-Vorsitzender Thomas Holfelder. An der Oberfläche lag die Wassertemperatur nahe dem Gefrierpunkt, die Ränder des Sees begannen bereits zuzufrieren. Unter Wasser herrschten vier bis sechs Grad – für erfahrene Wintertaucher angenehme Bedingungen.
Kurz nach zehn Uhr waren alle vor Ort, 45 Minuten später tauchten die ersten ab. Die Sicht lag je nach Tiefe zwischen zwei und vier Metern. Auffällig war, dass selbst robuste Pflanzen fehlten, die sonst ganzjährig wachsen. Einige Taucher entdeckten wenige Fische, die sich in sechs bis acht Meter Tiefe zurückgezogen hatten. „Die jungen Barsche und Hechte werden erst Ende Januar aktiv, dann beginnt die Balz und später die Laichzeit“, erklärt Holfelder. Auch in diesem Jahr fanden die Taucher wieder Müll am und im See. Sie brachten größere Kunststoffkanister und andere Gegenstände in die Nähe der Einstiege, verzichteten aber wegen der Kälte auf den Abtransport. Der Aufwand wäre am Feiertag zu groß gewesen. Sobald es wärmer wird, starten die Taucher wie jedes Jahr ihre große Sammelaktion. In den vergangenen Jahren füllten die Vereinsmitglieder vor Beginn der Badesaison fast einen kompletten Anhänger. Unterstützung kommt regelmäßig von Anglern, die ebenfalls Müll einsammeln.
„Je besser die Badesaison und je wärmer die Nächte, desto mehr Müll finden wir“, berichtet Holfelder. Der Umweltaspekt spielt für die Taucher eine zentrale Rolle. Viele von ihnen haben ein geschultes Auge für Veränderungen im Ökosystem entwickelt. Wohlwissend, dass die Welt unter Wasser ein Spiegel der Welt über Wasser ist und Naturschutz nicht an der Oberfläche enden darf, wie die Taucher betonen. Die meisten Badegäste hätten jedoch keinen Einblick in die Unterwasserwelt. Für sie verschwinde der Müll einfach, sobald er im See versinke. Deshalb setzen die Vereine auf Gespräche und Aufklärung.
Schon seit Jahren beobachten sie, dass steigende Temperaturen, Nährstoffeinträge und neue Arten den Seen zusetzen. In Extremfällen können giftige Blaualgen oder Schwefelwasserstoff entstehen, was ganze Zonen für Pflanzen und Tiere unbewohnbar macht. Das Baden muss dann eingestellt werden. Kleinere oder stark belastete Gewässer können im Sommer umkippen und beginnen zu riechen. Geschulte Taucher melden solche Veränderungen an Behörden und Gemeinden.






